
Für einen gewissen Kreis von Künstlern bedeutet die Zugehörigkeit zur zeitgenössischen Kunstszene nicht unbedingt auch Festhalten am Prinzip systematischer Innovation. Ihre experimentelle Suche drückt sich aus in einer Neuinterpretation oder Wiederverwendung vorhandener Formen und Positionierungen. So auch das Werk von Raphaël Zarka, der sich von Anfang an folgende Devise von Borges zu eigen machte: „Zu denken, dass wir etwas erfinden können oder überhaupt irgendetwas zu erfinden brauchen, grenzt an eine Beleidigung für die Formen der Welt.“

Als Bildhauer, Fotograf und Videokünstler an der Schnittstelle zu Wissen und Wissenschaft operierend, beschreibt Raphaël Zarka eine Künstlerfigur, die Sammler, Soziologe und Archäologe in einem ist. Seine konzeptuelle und zugleich einfühlsame Arbeit erforscht die Fortdauer und Wiederkehr der Formen in der westlichen Kultur und Kunstgeschichte. Die Welt wird als riesiges Kuriositätenkabinett gesehen, in welchem regelmäßig, doch in unterschiedlichem Kontext, Formen mit geometrischem Charakter auftauchen - Formen, deren Schlichtheit und Symbolkraft einen prospektiven, auf Wissen und Denken beruhenden Zugang zur Welt offenbaren.

Raphaël Zarka hinterfragt die theoretische, spielerische oder
expressive Aneignung dieser Formen, egal ob diese von Bauherren bei
öffentlichen Bauprojekten, von den Minimal-Art-Künstlern der siebziger
oder von populären Ausdrucksformen der Gegenwart wie der Skater- oder
Surfer-Kultur neu dekliniert werden. Von ihnen ausgehend stößt er -
durch das Medium Bild wie durch materielle Rekonstruktion - eine
Darstellungsarbeit an, die den ästhetischen Gehalt der Formen erneuert
und sie aus der Sicht der Kunst hinterfragt. Somit setzt sich das
OEuvre von Raphaël Zarka mit den Begriffen Wertehierarchie, Autor und
Interpret, Sinnentstehung und -eigenschaft auseinander. Als Stilübungen
mit bekannten Formen, wie sie der Künstler selbst bereits erschlossen
hat, etwa bei Alberto Burris Cretto auf Sizilien, sind die im Frac
Alsace gezeigten Werke gedacht als lauter mögliche neue Erfahrungen.
Olivier GrasserDirektor Frac Alsace